New Work: Der neue heiße Scheiß?

Wer sich momentan mit Trends der Unternehmensführung beschäftigt, wird von einer ganzen Welle neuer oder neu aufgelegter Buzzwords überschwemmt. New Work, agile Zusammenarbeit, Führung 4.0, digitale Transformation, organisches Wachstum, disruptive Innovation. Wozu brauchen wir das alles?

Nichts Neues unter der Sonne

Die Arbeitswelt verändert sich. Das sind keine neuen Nachrichten – das beten Management-Experten seit Jahrzehnten rauf und runter. Und sie haben ja auch Recht. Durch Globalisierung und Digitalisierung steigt der Marktdruck, Produtkreisläufe werden kürzer, disruptive Innovationen bringen ganze Branchen in Bedrängnis. Doch ein entscheidender Punkt wird oft außen vor gelassen: Die Arbeitswelt verändert sich nicht nur, sondern sie hört auch nicht mehr auf, sich zu verändern. Und wenn sich das Umfeld immer weiter verändert und der Marktdruck immer weiter steigt, müssen Unternehmen sich stetig anpassen, wenn sie langfristig bestehen wollen.

Vor der Welle schwimmen, nicht dahinter.

Und das ist auch schon der Kern der ganzen Debatten und Trends im New Work-Kosmos: die Beschäftigung mit der Frage, wie Unternehmen die dafür nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erlangen können. Genau darauf zielen Agilität, Partizipation, Empowerment und die restliche Riege der modernen Management-Rhetorik ab. Die Wertschöpfung so zu optimieren und flexibilisieren, dass Unternehmen schnell genug agieren und reagieren können.

Trends sind total von gestern

Jeder Trend – egal wie gut und sinnvoll – wird früher oder später zweckentfremdet. Cowboy-Stiefel haben ihre spezielle Form, damit sich Reiter gut im Steigbügel halten können – nicht um über glatte Bürgersteige zu schreiten. Und der Sinn moderner Unternehmensführung ist, die Organisation schlank und gelenkig zu halten und voll und ganz auf Wertschöpfung und Innovation auszurichten – nicht darum, sich mit immer neuen Führungs- und Organisationskonzepten selbst zu beschäftigen.

Die Best Practice-Falle

Leider tappen viele Unternehmen in genau diese Falle: Sie hören von etwas, das erfolgreiche Vorreiter-Unternehmen machen und setzen es blindlings um – ohne zu überlegen, inwiefern es zur Wertschöpfung im eigenen Unternehmen beiträgt. Diese tatkräftige Best Practice-Adaption bleibt oft wirkungslos – oder schadet sogar.

Mit der Entwicklung und Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle kann man schnell die halbe Organisation beschäftigen, ohne einen echten Mehrwert zu stiften. Investitionen in Unternehmensleitbilder oder so banale Dinge wie Kickertische können schnell zu Zynismus hervorrufen, wenn es an anderer Stelle ernsthafte Baustellen gibt, die den Unternehmenserfolg bedrohen.

Für uns geht es bei New Work nur um eines: Die Konzentration auf das Wesentliche – auf die Wertschöpfung. Oder wie Management-Vordenker Prof. Lars Vollmer es treffend in einem seiner Buchtitel ausdrückt: Zurück an die Arbeit.

2018-04-05T12:03:11+00:00